Weihnachten zwischen Wüste und Provence – Eine persönliche Reise
Heute, zur kleinen Weihnachtsfolge unseres Podcast lade ich Sie ein, mit mir zwei besonders prägende Momente zu erleben: Einen, der inzwischen 20 Jahre zurückliegt, in der Wüste Sinai, und einen weiteren, ganz frisch aus diesem Sommer in der Provence. Dazwischen liegt die Entstehung von Tour Exquisit, meiner Leidenschaft für Reisen, die mehr sind als nur Urlaub – sie sind Geschichten, Begegnungen und leuchtende Erinnerungen. „Das Erlebte und Gedachte in Worte zu verpacken, war nicht so einfach“, erinnere ich mich an jene Nacht am Lagerfeuer. Aber vielleicht sind gerade solche stillen Momente die wahren Geburtsorte für große Ideen.
Zwischen Beduinen am Feuer: Weihnachten im Sinai
Vor rund zwanzig Jahren tauschte ich Weihnachten im heimischen Wohnzimmer gegen eine Kamelkarawane in der Wüste Sinai. Wir waren acht Gäste, fünf Beduinen und mehrere Kamele. Tagsüber durchzogen wir die endlose, steinerne Landschaft. Abends trafen wir uns am Lagerfeuer – ein Kreis für die Beduinen, einer für uns. Dort, auf der Seite der Beduinen, war es lebendig: angeregte Gespräche, Lachen, Geschichten. Und wir? Stille. Es war erstaunlich, wie schwer es uns fiel, uns Geschichten zu erzählen.
In dieser kleinen Reisegruppe gab es auch einen Coach. Ich erzählte ihm von meiner Arbeit bei Airbus und davon, dass da noch etwas in mir schlummert. Er fragte neugierig nach und bestärkte mich: Ich sollte meinen eigenen Weg finden. Rückblickend war das wohl der Augenblick, an dem ein erster Gedanke für Tour Exquisit in mir Form annahm – noch zart und unfertig, aber begleitet von dem Wunsch, etwas Eigenes und Sinnstiftendes zu schaffen.
Ein Sommerabend in der Provence: Der Stern von Moustier-Saint-Marie
20 Jahre später, in diesem Sommer, stand ich am Lac de Saint-Croix in der Provence. Diesmal wieder eine Reisegruppe, wieder Lagerfeuerstimmung – nicht in der Wüste, sondern am Wasser. Für unseren letzten Abend war eine kreative Aufgabe gestellt: eine Geschichte zu erfinden, wie der berühmte Stern von Moustier-Saint-Marie hoch oben zwischen den Felsen gelandet ist. Wenn Sie schon dort waren, kennen Sie ihn sicher – strahlend, schwebend zwischen Himmel und Stein. Ich lag am Nachmittag in der Hängematte, und plötzlich war sie da: Die Zirkusgeschichte im Kopf. Über eine Seiltänzerin, ihren Lieblingsstern und die Provence als Bühne ihres Lebens. Diese Erzählung habe ich aufgeschrieben, am See vorgetragen – und möchte sie heute mit Ihnen teilen, als Einladung, sich wieder berühren zu lassen vom Zauber der Geschichten.
Wie die Zirkusgeschichte in der Provence entstand
Es war einmal vor langer Zeit ein Zirkus, der durch ganz Frankreich reiste. Wagen in Blau, Gelb und Rot, gezogen von weißen Pferden. Ein Zauberer, ein Clown, Tiere, Akrobaten – und eine Seiltänzerin. Sie liebte das wandernde Zirkusleben, die kleinen Dörfer und das Spiel mit den Kindern. In diesem Jahr rollte der Zirkus durch die Provence – Avignon, Arles, das Hinterland, die Lavendelfelder von Valensole, die Ockerbrüche von Roussillon.
Am meisten zog es die Seiltänzerin in den lauen Sommernächten an das Ufer des Lac de Saint-Croix. Dort lauschte sie den alten Geschichten der Zirkusfamilie und blickte in den funkelnden Sternenhimmel. Sie hatte einen Lieblingsstern; die Sorge jedoch, eines Nachts könnte er als Sternschnuppe verglühen und fort sein. Der Zirkuszauberer erklärte, man könne den Stern auffangen, wenn man bei seiner Spiegelung im See ein Netz spanne. Die Seiltänzerin suchte jede Nacht den Himmel ab, versammelte das ganze Dorf für die große Suche – schließlich wurde der Stern zur Sternschnuppe und verschwand.
Die Dorfbewohner trösteten sie, ließen einen glänzenden Stern aus Metall vom Schmied fertigen und hängten ihn mit einer Kette zwischen die Felsen von Moustier-Saint-Marie. So bewahrte die Seiltänzerin ihren Stern und kam Jahr für Jahr mit ihrem Zirkus zurück – für ein Fest und einen Tanz hoch oben am Seil. „Wenn Vollmond ist und der Wind ganz still steht, kann man sie manchmal am Seil sehen, wie sie hoch über dem Dorf mit ihrem Stern tanzt.“
Provence, Erinnerungen und das Geschenk der Geschichten
Die Zirkusgeschichte ist für mich untrennbar mit meinem eigenen Weg verbunden. Sie erinnert mich an jene Weihnachtsnacht im Sinai, als klar wurde, wie sehr uns Geschichten verbinden und wie sie uns ins Erzählen bringen. Vielleicht war jenes Lagerfeuer in der Wüste der Moment, in dem der erste kleine Stern für Tour Exquisit zu leuchten begann. Und vielleicht ist der Stern von Moustier eine stille Erinnerung daran, warum ich heute Frankreich-Reisen kuratiere: Weil Reisen neue Geschichten bringen, Begegnungen stiften und alte Bilder durch neue ersetzen können.
Haben Sie vielleicht auch so einen Lieblingsstern? Eine Reise, eine Begegnung, ein Gedanke, der etwas in Bewegung gebracht hat? Gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist vielleicht der richtige Moment, ihn aufleuchten zu lassen. Ich wünsche Ihnen eine ruhige, inspirierende Zeit, voller Momente, die nachklingen – und mit Sternen, die für Sie leuchten.
Frohe Weihnachten!
Ihre Antje Seele

